Ältere, freiwachsende Eiben (Taxus baccata), nicht nur in städtischen Gärten, nehmen sich in der Wahrnehmung so mancher Gartenliebhaber, aber auch Passanten, zu viel Raum und Licht. Anstatt grünes Leben empfinden die Menschen schwarzes Dunkel.

 

Den entsprechenden Beseitigungsbegehren versuche ich - dem inneren Potential der jeweiligen Eibe folgend - mit einer lichteren, bejahenden Formensprache zu begegnen.

 

Wir reden schon seit Jahren und reden und reden...

 

 

Die Eibe

Der dunklen Eibe Höhe - Breite,
vermissen liess vormalig weite, ungetrübte Sicht.

So ging die Klage, selbst am hellsten Tage nötig, künstlich Licht.

Der Känel voller Dreck, erfüll mehr schlecht als recht sein Zweck
und wie den schmierig, roten Beeren wehren?
Täglich fallend Nadeln, in keinster Weis den Eingang adeln - kurz

es wuchs Verdruss mit Baumes Jahresringen, zu grimmigem Beschluss,
man erwäge, den Ankauf einer Motorsäge - (Trotz drohender Gefahren)
damit den Gärtner einzusparen, da insbesondere ein Neuer
schwer kalkulierbar Abenteuer.

Sei es verdunkelt Horizont, das ständig Deckenlicht,
in Gedanken im Piemont, Trägheit allein wars nicht.
Wo doch neuer Sommer ist, natürlich Schatten ungern misst.
Sind ausserdem geschützt, die Eiben!
Fällen verboten, zu vermeiden.

Befangene der Wiedersprüche;
Deckenlicht bei Tag, auch in der Küche.
Anstelle Fällens, Leidens - beendet Schneiden
  lang gehegt Vermeiden.

Der Gärtner altbekannt, wie neu entdeckt
freundlich eingespannt, verdient Respekt
(mit seines Handwerks Stil) monetär, Gottlob ja gar nicht viel!

Es leb der Baum und sein gestaltet Schatten, verwachsene Sicht befreit!
Es bereuen (hier) die Ehegatten, länger nicht  bereit,
solch Dinge anzustau'n im Lauf der Zeit.

Steter Aufwand klein und fein
treu besorgt von tüchtigen Seelen
Arbeit solchen Sinns, wird sich von selbst empfehlen!
Kann sich fast Jeder leisten -
ach Währens nur die Meisten.

In einer ersten, ernsthaften 'Unterhaltung' im März 2020
dienen alle brachialen Untertöne allein der Annäherung,
an ein erstrebtes Höchstgestimmtes.
Das vorhandene Potential wird freigelegt...

...der weitere Gesprächsverlauf  gestaltete sich zunehmend freundlicher...

und zwischen dem vorletzten und letzten Austausch, liegen nur 2 Monate Wachstum!
Einmal mehr bin ich überrascht, wie schnell eine Eibe bei entsprechender
Witterung (Viel Regen und mild/warme Temperaturen 2021) nachzuwachsen vermag.

Die Verwurzelung eines zu gestaltenden Gehölzes im Mutterboden, ermöglicht
üppigere Formen. Verzeiht auch die eine oder andere Unsicherheit, denn...

erst nach 2-3 gesamten Vegetationsperioden bilden solche Eingriffe

langsam den gesuchten Dialog wieder! In dem  jährlich

2-3 maligen Gesprächsverlauf, weicht die anfänglich
herantastende Herausforderung, einer entspannteren Auffrischung

beseelter Beziehung zwischen Mensch, Baum und Kraft,
Oben, Unten und Dasein, Innen, Aussen und dem Dazwischen.

Noch ein anderer Eiben-Baum:
Nach 4 Schnitten ist hier noch alles ganz durchlässig. 
Hier an der Feierabendstrasse ist noch lange nicht Feierabend!

Seit über 10 Jahren folgt wiederum hier
e
ine gewitzte Unterhaltung der Nächsten...

Von Vorne oder Hinten betrachtet ergibt sich ein ganz anderer Eindruck...

...und im Inneren dieser Eibe sind verborgene Räume. Treffpunkt kleiner Vögel,
für einen entspannten Schwatz, einen Insektensnack, Witterungsschutz...

Die folgende Eibe, hat früher schon beinah das obere Fenster überwachsen.
Heute macht sie es sich in sich selber ruhend gemütlich,  hält Innenschau
und ermöglicht ungestörten Ausblick aus allen Fenstern.

Wachholder sind eigentlich ausgeprägte Solitäre. Undurchdringliche Finsterlinge.

Eher abweisend als redselig. In Trottoir Nähe gepflanzt ein zu wenig bedachtes, aber umso spitzer werdendes Hindernis für Passanten.
Ein Rückschnitt dann meistens wandartig, wo doch der Juniperus...

...wie mein Bauch, mit den Jährchen eher dem rundlichen zuneigt und...

...seine ausladenden Äste letztlich einladen,
in den beherbergenden Schutz Ihrer
Schatten- und Halt spendenden Arme.

Lichtdurchlässig gestaltet, regelmässig gepflegt,
nun Pflanzengemeinschaften bildend.
Lebendiges Kunstschaffen
in öffentlichem Gartenraum.